Osterlämmer

Eschweiler Zeitung vom 15. April 2006

In einer Stunde ist Herde gebacken

Auf der Spur des christlichen Symbols. Hm, lecker: Die Familie Birfeld kümmert sich um das Osterlamm in gebackener Form. Oh, süß: Über Nachwuchs auf der Wiese freut sich das Ehepaar Vogelsang.

 

ESCHWEILER. Kikeriki. Kikeriki. Der erste Hahnenschrei weckt Reinhold und Monika Vogelsang. Die Tiere - Gänse, Enten, Hühner, Schafe, ein Frettchen und ein Hund - warten bereits auf sie. Sie wollen gefüttert werden. Im Schafstall entdeckt das Ehepaar die Überraschung: Statt eines erwarteten blöken ihnen drei neugeborene Lämmer entgegen.
Für die Familie Birfeld beginnt der Tag ebenfalls früh. Zur Osterzeit herrscht in ihrer Konditorei in der Eschweiler Fußgängerzone Hochbetrieb. Auch was den Schafnachwuchs betrifft. Dieser wird sogar mehrfach täglich erwartet - und zwar aus dem Backofen. Um 6 Uhr früh schmeißen Vater und Sohn der Ofen an.

Wichtige Opfergabe

Zum Osterfest gehören Lämmer ebenso dazu wie Hasen. Das Osterlamm hat eine lange Tradition: Im Volk Israel war das junge Tier eine wichtige Opfergabe. Bis heute ist es ein jüdischer Brauch, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen - als Erinnerung an die Befreiung des Volks aus der Sklaverei in Ägypten. In der Bibel kommt das Lamm zuerst beim Propheten Jesaja vor. „Dort ist die Rede vom Gottesknecht, der geopfert wird wie ein Lamm", weist Dechant Josef Wienand auf Kapitel 53 Vers 7 hin, wo es heißt: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird."
Die Lämmer der Vogelsangs grasen inzwischen zufrieden auf der großen Wiese in Hücheln. Acht Wochen sind seit der Geburt der Drillinge vergangen. Doch auf der Wiese tummeln sich fünf gesunde Lämmer: Drei Tage später hatte das zweite Schaf nachgelegt - mit Zwillingen. „Dabei hatten wir nur mit jeweils einem Lamm gerechnet", sagt Monika Vogelsang (48), die die kleine Farm mit ihrem Mann (58) als Hobby betreibt. Schließlich war es der erste Wurf der beiden Schafe.
In der Bäckerei Birfeld gehen gerade die Lämmer aus. Kein Problem für Vater Heinrich (59) und Sohn Michael (29). Die Konditormeister begeben sich an die Arbeit. „Sechs Lämmer können gleichzeitig gebacken werden", sagt Michael Birfeld. „Eine Stunde Backzeit - dann ist die ganze Herde fertig." Anschließend kühlen sie anderthalb Stunden ab, werden mit Puderzucker bestaubt und in den Verkaufsraum zu Mutter Rosemarie (65) gebracht.

Symbol des Lebens

Das Lamm als Zeichen des Lebens wird im Neuen Testament zum Lamm Gottes (Johannes 1,29 und 36), das die Unschuld Christi symbolisiert. „In der Osterliturgie ist es Symbol für den Auferstandenen, der gelitten hat, gestorben und wiederauferstanden ist", sagt Dechant Wienand. So betet der Christ in der Messe nach dem Vaterunser: „Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt." Auf den Osterkerzen ist das Lamm oft neben den fünf Wundmalen des Auferstandenen zu sehen. Bilder vom Osterlamm hängen auch in Kirchen und sind in Prozessionsfahnen eingestickt.
An den Lämmern der Familie Vogelsang wird Ostern spurlos vorübergehen. „Bei uns kommen die nicht auf den Tisch", sagt Monika Vogelsang entschieden. Doch mit ein wenig Glück wird es für die Tiere trotzdem bald ein Fest geben. Am 1. Mai nämlich - wenn dann die Gänse, Enten und Hühner, die derzeit wegen der Vogelgrippe im Stall neben der Wiese eingesperrt sind, wieder zu den Schafen auf die Wiese dürfen.

Heiß begehrt

Die süßen Lämmer wollen jedoch sehr wohl verzehrt werden. Und sie sind heißt begehrt. „Insgesamt verkaufen wir etwa 60 bis 70", schätzt Rosemarie Birfeld. Hinzu kommen Hasen - übrigens auch ein Bugs Bunny -, Enten aus Marzipan, Präsent-Eier mit Pralinen gefüllt und vieles mehr. Da wird der Arbeitstag oft lang. So wie heute. Erst um 18.30 Uhr wird die Backstube abgeschlossen.
Langsam beginnt die Dämmerung. Höchste Zeit für die Vogelsangs, ihre Tiere zu füttern. Die Schafe ziehen sich jetzt zur Nachtruhe in den Stall zurück. Stets bewacht vom Bock, der seine Herde nie aus den Augen lässt.

Süße Ostern: Michael Birfeld und seine Mutter Rosemarie bieten in ihrer Konditorei auch selbstgebackene Lämmchen an.

 

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